
Kopfsteinpflaster, Fachwerk und ein Domturm über den Dächern: Ribe hat viel von dem, was wir an alten dänischen Städten lieben. Doch hinter den schönen Fassaden liegt auch eine dunkle Geschichte. Die Erinnerung an Maren Spliids, die 1641 wegen angeblicher Hexerei hingerichtet wurde, führt von der Altstadt hinaus in die Ribe Plantage.
Wir nehmen dich mit zu den historischen Blickpunkten, erzählen von den Menschen hinter den Hexenprozessen und zeigen dir, was du für deinen Besuch wissen solltest. Ein Ausflug zwischen Stadtgeschichte und Herbstwald, der Raum zum Entdecken und zum Nachdenken lässt. 🍂
🍂 Eine Stadt, die ihre dunklen Kapitel nicht versteckt
Mit seinen Fachwerkhäusern, dem Domturm und dem Wattenmeer vor der Tür ist Ribe ein schöner Ausgangspunkt für Tage im dänischen Westen. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt begegnet dir neben diesem vertrauten Bild auch die Geschichte der Hexenverfolgungen. Das HEX! Museum of Witch Hunt beschäftigt sich mit den Ängsten und Vorstellungen, die hinter den Prozessen standen. Wer diesen Spuren folgt, lernt Ribe von einer nachdenklichen Seite kennen.
⚖️ Maren Spliids: Ein Name in den Akten
Maren Spliids – häufig auch Maren Splid geschrieben – lebte mit ihrem Mann, dem Schneider und Wirt Laurids Splid, in Ribe. Ihr Fall gehört zu den am besten dokumentierten Hexenprozessen Dänemarks. Ausgangspunkt war ein Konflikt mit dem Schneider Didrik, der Jahre nach einem Streit seine schwere Krankheit als Schadenzauber deutete. Die Anschuldigung wurde zunächst nicht endgültig gegen sie entschieden, kam dann aber erneut vor Gericht und erreichte schließlich sogar das königliche Gericht. Im November 1641 wurde Maren Spliids bei Galgebakken außerhalb von Ribe hingerichtet.
📜 Hinter den Akten stehen Menschen
Erhaltene Gerichtsunterlagen erzählen, wie die Anschuldigungen gegen Maren Spliids ihren Lauf nahmen. Zu ihrer Geschichte gehört auch ein unter Folter erzwungenes Geständnis. Hinter den Akten steht das Leben eines Menschen, dessen Geschichte sich nach Jahrhunderten nur noch teilweise rekonstruieren lässt. Für uns ist das ein guter Grund, genau hinzusehen und bei den belegten Ereignissen zu bleiben.

🏘️ Zwischen Sønderportsgade und Museum
Ein stiller Einstieg liegt in der Sønderportsgade 3. Dort erinnert eine Gedenktafel an Maren Spliids und das Haus, in dem sie mit Laurids wohnte. Wenige Gehminuten entfernt liegt das HEX! Museum of Witch Hunt in Sortebrødregade. Die Ausstellung ordnet Ribes Fälle in die dänische und europäische Geschichte der Hexenverfolgungen ein und fragt nach den Vorstellungen, Ängsten und Machtverhältnissen dahinter. Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel: Nicht das Bild der angeblichen „Hexe“ steht im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die beschuldigt, verhört und verurteilt wurden.
🌳 Galgebakken: Stille Natur an einem schwierigen Ort
Heute liegt Galgebakken zwischen Wegen, Bäumen und kleinen Lichtungen in der Ribe Plantage. Im 16. und 17. Jahrhundert stand hier eine große Galgenanlage; auch Hinrichtungen wegen angeblicher Hexerei fanden dort statt. Für deinen Besuch lohnt es sich, diese Geschichte im Hinterkopf zu behalten. Der Wald bietet einen ruhigen Rahmen, um einen Moment stehen zu bleiben, bevor du deinen Spaziergang fortsetzt.

🥾 Nimm dir Zeit für deinen eigenen Weg
Wenn du Stadt und Plantage miteinander verbinden möchtest, bietet die kostenfreie Route „På vandring med Ribes hekse“ einen historischen roten Faden. Sie führt unter anderem zu Galgebakken, Slotsbanken und dem Friedhof von Sankt Peter.
- Strecke: acht bis neun Kilometer mit 20 Stationen.
- Routenmaterial: Karte und Hintergrundwissen werden normalerweise in einem Rucksack im Museum ausgegeben.
- Für den Herbst: festes Schuhwerk mitnehmen und genug Zeit für die einzelnen historischen Blickpunkte lassen.
Wichtig für deine aktuelle Planung: HEX! ist wegen Renovierungsarbeiten vom 19. Oktober 2026 bis einschließlich 12. Februar 2027 geschlossen; die Wiedereröffnung ist für den 13. Februar 2027 angekündigt. Kläre direkt mit dem Museum, ob das Routenmaterial während der Schließung verfügbar ist. Einen Besuch im Inneren kannst du in diesem Zeitraum nicht einplanen.
Auch ohne Museumsbesuch lassen sich die Gedenktafel und ein Spaziergang durch die Stadt mit einer Runde in der Plantage verbinden. Nimm dir dafür Zeit: Ribes Hexengeschichte erschließt sich beim aufmerksamen Hinsehen, zwischen den alten Häusern und den Wegen draußen im Wald.






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